Expertenchat Januar 2010
Am 20.01.2010 fand ein Expertenchat statt mit:
Ilse und Rainer Grinz zum Thema:
"Gehörverlust: Harte Zeiten für eine Beziehung.
Schwerhörige und Ertaubte mit hörenden Partnern "
Mein Name ist Ilse Grinz, geboren 1967 in Aurich (Ostfriesland), verheiratet und lebe seit 1991 im Ruhrgebiet.
Ich bin im Juli / August 1996 ertaubt Seit 2000 bin ich mit einem Cochlear Implantat versorgt, das es mir ermöglicht, Sprache wieder zu verstehen.
Seit 1997 bin ich Mitglied im Deutschen Schwerhörigenbund, Ortsverein Essen e.V. 1998 wurde ich als Schriftführerin in den geschäftsführenden Vorstand gewählt, seit 2002 bin ich Vorsitzende des Ortsvereins Essen.
Seit meinem Eintritt in den DSB Essen bin ich Mitglied der Paargruppe für Schwerhörige und Ertaubte mit hörenden Partnern. Seit einigen Jahren leite ich diese Gruppe zusammen mit zwei weiteren Mitgliedern der Gruppe.
Mein Name ist Rainer Grinz, geboren 1963 in Essen, verheiratet.
Seit 1997 bin ich Mitglied im Deutschen Schwerhörigenbund, Ortsverein Essen e.V. Ich bin hörend und unterstütze meine Frau bei ihren diversen Aufgaben im DSB. Außerdem kümmere ich mich um die Computerbetreuung in unserem Verein.
Seit meinem Eintritt in den DSB Essen 1997 bin ich Mitglied der Paargruppe für Schwerhörige und Ertaubte mit hörenden Partnern.
Gehörverlust: Harte Zeiten für eine Beziehung
Frustration und der Verdacht "nicht hören bzw. zuhören zu wollen", gehören zu den häufigsten Problemen, die in einer Partnerschaft entstehen, wenn einer der Partner an einer Schwerhörigkeit leidet. Fast die Hälfte der Paare sagen, dass Schwerhörigkeit einen großen Einfluss auf die Beziehung hat.
Hörverlust schafft Probleme in der Ehe, dies ergab eine Befragung unter 44 bis 62-jährigen Eheleuten, deren Ehepartner an einer Minderung des Gehörsinns leiden. Fast die Hälfte der über tausend Befragten gab an, dass die Schwerhörigkeit des Partners einen großen Einfluss auf die Beziehung habe. (http://www.german.hear-it.org/)
Oft entsteht ein Gefühl der Frustration, wenn der Ehepartner nicht auf das Gesagte reagiert. Man fühlt sich ignoriert. Die Folgen sind, dass sich der hörende Partner traurig und verletzt fühlt.
Oft hegt der hörende Partner sogar den Verdacht, dass der hörgeschädigte Partner Dinge auch gerne einmal überhört. "Er hört nur das was er hören will und nicht das was er hören soll", so die oftmals genervte Reaktion des hörenden Partners.
Dieses führt oft zu Missverständnissen und Unzufriedenheit auf beiden Seiten.
Von einer Hörschädigung ist immer auch der Partner und die Familie betroffen. Das wird allzu leicht vergessen. Es dreht sich alles nur noch um den Hörgeschädigten und in vielen Fällen bleibt der hörende Partner dabei auf der Strecke. Vor allem dann, wenn die Hörschädigung vom Betroffenen nicht akzeptiert wird.
Abhilfe kann da z.B. eine Paargruppe bieten, in der sich Paare treffen, die ähnliche Erfahrung gemacht haben und sie zum Teil auch immer noch machen.
Chat-Protokoll
Leider hatten wir bei diesem Chat große technische Probleme, viele Fragen mussten unbeantwortet bleiben. Das bedauern wir und entschuldigen uns. Freundlicherweise waren Ilse und Rainer Grinz bereit, diese Fragen nachträglich schriftlich zu beantworten. In sofern ist das hier nicht ein "Protokoll" wie bisher gewohnt. Die nachträglichen Antworten sind [kursiv] entsprechend gekennzeichnet. Vielen Dank für Ihr Verständnis, wir hoffen Sie sind beim nächsten Chat trotzdem wieder unsere Gäste.
Moderator: Ich begrüße Frau Ilse Grinz und Herrn Rainer Grinz ganz herzlich und die Teilnehmer, die schon online sind. Bitte beachten Sie, dass dieser Chat moderiert wird. Ihre Beiträge werden also erst nach einem Check dem Experten zugeleitet. Bei hoher Beteiligung kann es etwas länger dauern bis Ihre Frage beantwortet wird. Ich wünsche einen regen Meinungsaustausch und nun kann es losgehen.
Rainer Grinz: Hallo allerseits.
Ilse Grinz: Hallo zusammen, irgendwie habe ich noch kein richtiges Bild. Aber wir versuchen es trotzdem
Jonathan: Alles Okay?
Jonathan: Wann habt Ihr Euch kennengelernt?
Rainer Grinz: Wir kennen uns eigentlich schon fast aus dem Sandkasten.
Bebo: aber da waren sie beide noch guthörend oder?
[Ilse Grinz: Ja da waren wir noch beide hörend. Ich bin erst mit 28 ertaubt.]
Jonathan: Warum ist Hörschädigung ein Thema?
[Ilse Grinz: Weil Hören und Kommunikation unser ganzes Leben bestimmt. Nicht hören zu können bedeutet, dass vieles an einem vorbei geht.]
Bebo: Ich stelle mir das ganz schön schwierig vor, als Hörgeschädigter mit einem Guthörenden zusammen zu leben... wie ist denn Ihre Familie damit umgegangen?
[Ilse Grinz: Da ich in der Familie die einzige Hörgeschädigte bin, hat unsere Familie schon versucht, sich darauf einzustellen, auch wenn es nicht immer leicht ist. Es wird im Alltag oft vergessen, vor allem bei größeren Familientreffen. Was die Frage betrifft, mit einem hörenden Partner zu leben, ich kenne es ja nicht anders. Als ich geheiratet habe, war ich hörend. Ich bin erst später ertaubt, daher hatte mein Partner sicher den komplizierteren Part. Denn ich kann normal sprechen und er mich verstehen, er muss jedoch so mit mir kommunizieren, dass ich ihn verstehe. Er hat sich viel mehr umstellen und anpassen müssen.]
Jonathan: Wie sieht die Entwicklung aus, wenn man als Partner feststellt, meine Partnerin hört schlechter?
Rainer Grinz: Ganz miese. Erst nur ein bisschen weniger und später gar nichts mehr hören, das war ein komplettes Umdenken.
Bebo: Hat Ihr Partner manchmal den Eindruck, dass Sie "nicht zuhören"?
[Rainer Grinz: Wer ist hiermit gemeint?]
Bebo: Ich kann mir vorstellen, dass es viele Missverständnisse in der Partnerschaft geben kann, wie gehen Sie damit um? Suchen Sie Hilfe bei Dritten?
[Rainer Grinz: Missverständnisse in der Partnerschaft gibt es auch unter hörenden Partnern. Aber sicher kann es aufgrund der Hörschädigung zu kommunikativen Missverständnissen kommen. Aber dann versuche ich, hier sofort klar zu stellen, dass ich es anders gemeint habe. - Über diese Problematik wird oft in der Paargruppe für Schwerhörige und Ertaubte mit hörenden Partnern gesprochen.]
Bebo: Sicher waren sie beide psychisch am Ende oder?
Rainer Grinz: Ja und das war wirklich nicht einfach. Aber da mussten wir durch.
Bebo: Ich denke, dann war die Liebe stärker, das freut mich für euch!!!
Jonathan: Was macht die Kommunikation zwischen Guthörenden und Schwerhörigen so schwierig?
[Ilse Grinz: Ähnlich wurde es ja schon beantwortet. Ich denke, es fehlt oft an Geduld auf beiden Seiten.]
Jonathan: Habt Ihr beide Hilfe bei anderen Schwerhörigen gesucht?
Rainer Grinz: Auf jeden Fall.
Mac82: Wenn Sie einen Kinobesuch machen, einigen Sie sich dann auf Untertitelung oder gibt es Unstimmigkeiten?
Rainer Grinz: Kinobesuche meiden wir.
Ilse Grinz: Hallo, jetzt melde ich mich mal zu Wort, wir haben im Moment Technikprobleme. Du fragst wegen Kino, da gehen wir gar nicht hin, weil kaum Kino mit Untertitel angeboten wird. Und die Filme, die laufen, interessieren mich nicht.
Jonathan: wie lange habt ihr gebraucht, bis ihr einen Modus gefunden habt, dass ihr meintet, es ist überwunden?
[Ilse Grinz: Die Hörschädigung ist ja nie überwunden. Ich bin und bleibe Hörgeschädigt. Wir haben es geschafft, dass wir damit gut umgehen können. Auch dank des DSB. Da wir das Glück hatten, den DSB ziemlich gleich zu Anfang meiner Ertaubung zu finden, hatten wir sehr schnell kompetente Ansprechpartner, die uns viel geholfen haben. Wichtig war zu erleben, man ist mit dem Problem nicht alleine und es gibt auch ein gutes Leben mit Hörschädigung. Man muss es nur zulassen und nicht dagegen kämpfen. Das gilt für beide Seiten.]
Rainer Grinz: Entschuldigung aber für jede Frage muss ich mich immer wieder neu anmelden.
Mac82: Wie läuft das mit dem Fernsehen, der sollte ja auch lauter gestellt werden. Ist es Ihnen, Herr Grinz manchmal zu laut?
[Rainer Grinz: Es gibt doch entsprechende Technik, sodass meine Frau mit der Technik hört und ich normal über Lautsprecher. Jeder kann den Ton für sich so laut einstellen, dass es nicht stört.]
Jonathan: Geht ihr nicht vielleicht in ein Kino mit UT?
Mac82: Warum meiden Sie Kinobesuche? Das kann doch auf Grund der UT ganz interessant sein.
[Ilse Grinz: Siehe oben - die Filme, die bislang in unserer Region mit Untertitel gezeigt werden, waren für uns uninteressant.]
Jonathan: Wie macht ihr das? Wenn Ihr unter Freunden eingeladen seid, die überwiegend Guthörend sind?
Ilse Grinz: So, jetzt läuft es hoffentlich. Sorry, wenn wir mit hörenden Freunden zusammen sind, versuchen wir, die Gruppe so klein wie möglich zu halten. Also immer nur mit einem Paar zu treffen oder ähnlich. Klappt halt auch nicht immer. Muss zugeben, der Freundeskreis besteht aus Schwerhörigen bzw. aus Schwerhörigen mit hörenden Partnern aus unserer Gruppe. Mit denen treffen wir uns auch privat.
Mac82: Bei Ihnen klingelt zu Hause das Telefon, wer nimmt den Hörer ab?
[Rainer Grinz: Ich nehme den Hörer ab, meine Frau kann nicht telefonieren. Wenn das Gespräch für meine Frau ist, dann dolmetsche ich mit LBG.]
Jonathan: Habt ihr euch schon Gedanken machen müssen, was die Hörgeräte so kosten?
[Ilse Grinz: Ich bin ertaubt und mit CI versorgt.]
Mac82: Und wie ist das mit dem TV?
[Ilse Grinz: Siehe Oben. Wurde bereits beantwortet.]
Mac82: Sind Sie beide berufstätig?
[Rainer Grinz: Ich bin berufstätig, meine Frau ist erwerbsunfähig, aberehrenamtlich im DSB engagiert.]
Jonathan: Wie macht ihr es mit Reisen, ist hier die Hörschädigung ein Thema?
[Ilse Grinz: Wie ist das gemeint? Wir suchen die Urlaubsorte danach, aus, ob es für uns interessant ist. Aber da hat die Hörschädigung keinen Einfluss.]
Jonathan: Wie sieht es aus, wenn ihr Familientreffen habt? Kann es ihr auch zu Konflikten kommen, wenn gesagt wird, war nicht so wichtig?
[Ilse Grinz: Es kann schon mal sein, dass ich nicht immer alles mit bekomme. Damit muss ich leben. Konflikte in dem Sinne gibt es nicht. Man bemüht sich, dass ich nicht im Abseits stehe. Und den Satz, das war nicht wichtig, den traut sich bei mir so schnell keiner, der mich ein bisschen kennt.]
iniKABschnaidi: Guten Abend zusammen.
Mac82: Gehen Sie auch mal getrennt aus?
[Rainer Grinz: Ja klar.]
Jonathan: Macht Ihr auch mal Wassersport? Wie sieht es hier mit der Kommunikation aus?
Ilse Grinz: Ja hallo, ich greife jetzt einfach ne Frage raus. Wassersport - ja wir gehen schwimmen. Da mache ich mein CI ab, bin taub aber das ist ok. Mein Mann kann gut LBG und ich gut absehen. Das klappt mit der Verständigung.
Mac82: Haben Sie, Ilse, manchmal das Gefühl, dass Ihr Partner Ihnen Informationen vorenthält, die telefonisch mitgeteilt werden?
[Ilse Grinz: Nein, das macht er sicher nicht. Warum sollte er?]
Jonathan: Geht ihr auch mal Joggen?
[Ilse Grinz: Ist nicht unser Ding]
Nygen: Guten Abend - Wozu gibt es LBG? Lernen die hörende Leute LBG, wenn jemand in der Familie stark hörgeschädigt? Was sagt die Studie aus?
Rainer Grinz: Ich habe LBG gelernt, um mich mit meiner Frau besser verständigen zu können.
iniKabKelly: ...huch dann muss ich ja nun schnell LBG lernen
Ilse Grinz: Was meinst du???
Nygen: Ich meine, was sagt die Studie aus. Grund: Jedes Land hat seine eigenen LBG-Zeichen und Deutsche Gebärdensprache.
Rennie: Hallo
Rennie: Ist das Thema Hörschädigung ständig präsent in Ihrer Ehe?
Rainer Grinz: Das Thema ist nicht mehr weg zu denken. Es ist jeden Tag da.
Jonathan: Wie war das für Sie, Rainer, LBG zu lernen?
[Rainer Grinz: Lustig, machte Spaß. Habe schon immer gerne mit Händen und Füßen geredet - man kann sich vor allem über Entfernung dadurch prima unterhalten.]
Jonathan: Ilse, wie haben Sie absehen gelernt, kann man das auch noch späterlernen?
Ilse Grinz: Ich habe es gelernt bzw. lernen müssen, weil ich mehrere Jahre ganz taub war, bevor ich mit CI versorgt wurde. Das kann man lernen. Aber in Kombination mit LBG ist es leichter.
Jonathan: Hatten Sie auch mal Hörgeräte, Ilse?
[Ilse Grinz: Ja mal für ein Jahr - konnte aber nur Töne hören, keine Sprache verstehen. Irgendwann sagte der Akustiker, da kann ich nichts mehr machen. Sie sind praktisch taub, da helfen die besten Geräte nicht. Sie sind ein Kandidat für ein CI.]
Rennie: Was unternehmen Sie in Ihrer Freizeit gemeinsam am Liebsten?
[Rainer Grinz: Wir haben kaum richtig Freizeit. Entweder Verein, Freunde oder Familie. Zeit für uns ist fast nur im Urlaub und dann geht's an die Küste.]
Rennie: Wenn Sie gemeinsam ein Geburtstagsgeschenk aussuchen, wer übernimmt dann die Kommunikation mit dem Verkäufer?
Ilse Grinz: Wenn wir zusammen einkaufen gehen, kommt drauf an, wie geduldig und sympathisch die Leute sind. :-) Ich versuche es oft, wenn ich alleine bin, muss es ja auch gehen. Aber wenn ich genervt bin, muss mein Mann schon mal ran. Gebe ich zu.
iniKabKelly: ...dann muss ihr Mann ja selten ran -lach- ich kenne Sie als sehr geduldig!
Ilse Grinz: Ich und geduldig. Nun ja - kommt immer auf die Situation an. Ich kann auch mal ungeduldig sein.
iniKABschnaidi: Liebe Frau Grinz, bei uns machen sie immer einen sehr geduldigen Eindruck ;-)
Jonathan: Wie war das, Rainer, worauf mussten Sie sich zuerst einstellen, als Sie merkten Ihre Partnerin hört nicht mehr richtig?
[Rainer Grinz: Das ich immer Augenkontakt haben muss, rufen etc. ging ja nicht mehr. Ich musste hinterherlaufen, wenn ich was wollte und musste drauf achten, dass sie alles versteht.]
iniKabKelly: Guten Abend...
Nygen: Gibt es Erfahrungsberichte der zwei verschiedene Kultur für hörgeschädigte Menschen?
Ilse Grinz: Was meinst du mit den zwei verschiedenen Kulturen. Ich war bis zum 28. Lebensjahr hörend. Bin dann ertaubt. Kenne also die hörende Welt gut und fühle mich dort auch immer noch mit zugehörig, neben der Schwerhörigenwelt. Wenn man das so bezeichnen möchte. Mit Leib und Seele DSBler. :-)
iniKABschnaidi: Da ich Frau Grinz ein wenig kenne und schon ein wenig von ihr erfahren habe, möchte ich heute auch mal ein großes Lob an Herrn Grinz richten, ihr Umgang mit der Krankheit ihrer Frau ist nicht selbstverständlich!!
Rennie: Können Sie ungefähr einschätzen, wie lange es gedauert hat, bis die Kommunikation untereinander wieder einigermaßen normal war?
Rainer Grinz: Das war sehr unterschiedlich, da meine Frau erst das Gehör langsam verlor und dann taub war. Es ging alles nur über Gebärden und Schreiben bis dann das CI kam und man sich dann wieder umstellen musste.
Rennie: Kommt in einer Gruppe von Guthörenden Rainer Grinz schnell in die Rolle des "Dolmetschers"?
[Rainer Grinz: Manchmal schon - wenn ich merke, dass es sonst zu Missverständnissen kommt.]
Jonathan: Wie seid ihr auf den DSB gekommen? Habt ihr zufällig vielleicht jemanden in der Familie, der auch schwerhörig ist und den DSB kannte?
Ilse Grinz: Wir sind über die städtische Beratungsstelle für Gehörlose zum DSB gekommen. Die haben uns den DSB Essen empfohlen und ich habe dann mit Renate Welter Kontakt aufgenommen. Tja und so sind wir rein gerutscht. Mein Vater ist altersschwerhörig - aber der kennt den DSB erst durch mich.
Tiffi: Wenn Sie beide im Auto sitzen, kann es ja mal zu einer Wegänderung kommen. Wie kommunizieren Sie miteinander - gab es da schon einmal Missverständnisse?
Rainer Grinz: Die Führung beim Fahren über nimmt das NAVI.
Jonathan: Ilse haben Sie sich schnell an das CI gewöhnen können?
[Ilse Grinz: Eigentlich ja, habe schnell Sprache verstehen können. Denn ich war nur wenige Jahre taub und habe noch eine gute Erinnerung an Sprache. Aber es hörte sich erstmal alles fremd an und sehr technisch. Aber daran habe ich mich gewöhnt Ich war froh, wieder etwas hören zu können.]
Tiffi: Rainer, Sie sind öfter unter Schwerhörigen, allein durch den Ortsverein Essen. Haben Sie manchmal Situationen, in der es Ihnen zuviel wird?
Rainer Grinz: Ich bin öfter mit Schwerhörigen zusammen aber ich übernehme kein Amt im Verein, helfe überall etwas und bleibe in Kontakt. Gebe aber auch zu, dass es manchmal etwas viel ist.
Jonathan: Warum ist helfen mit einem Amt verbunden?
[Rainer Grinz: Das denke ich nicht, das haben Sie missverstanden. Ich helfe ja, ohne dass ich ein Amt habe im DSB.]
Nygen: Funktioniert es gut, wenn ein hörgeschädigter Berufstätiger mit einem hörenden Partner z. B. finnisch und englisch unterhält?
Ilse Grinz: Kann ich schlecht beantworten. Da wir beide die Situation nicht haben.
Jonathan: Gibt es eventuell Vorlieben, wo ihr es nicht gerne gemeinsam macht?
[Ilse Grinz: Ich verstehe die Frage nicht.]
Jonathan: Sie waren bei der städtischen Beratungsstelle für Gehörlose - wie haben sie sich verständigen können?
Rainer Grinz: In der Beratungsstelle waren wir damals zusammen, das ging ganz gut.
Ilse Grinz: Die Mitarbeiter dort sind zum Teil hörend, da sie bei städtischen Belangen auch dolmetschen. Daher klappte das gut. Und mein Mann war ja mit. Notfalls gibt bzw. gab es ja Zettel und Stift :-)
Jonathan: Wie war das, Ilse, konnten Sie sich schnell mit der Idee anfreunden, LBG zu lernen.
[Ilse Grinz: Fand ich gut, es war die Möglichkeit für uns, sich auch ohne Zettel und Stift verständigen zu können. Es vereinfachte für uns vieles in der Kommunikation.
Rainer Grinz: LBG mussten wir beide lernen. Allein im eigenen Interesse der Kommunikation.]
iniKabKelly: ...und bald gibt es ja auch Kommunikationsassistenten!!!
iniKABschnaidi: Bald liebe Kelly, nur noch ein paar Monate :-)
Holguin: Stellen Sie sich vor, Frau Grinz, wenn sie im Flugzeug sitzen und eine Stewardess bietet Ihnen irgendetwas an und sie verstehen es nicht und nebenan schläft ihr Mann. Lassen Sie Ihren Mann schlafen oder wecken Sie ihn um eine Übersetzung zu ermöglichen?
Rainer Grinz: Als erstes fliegen wir nicht und meine Frau kann da schon ganz gut mit der Stewardess reden. Ich kann also weiterschlafen.
Ilse Grinz: Gute Antwort, ich muss zugeben, es kommt auf die Situation an.
iniKabKelly: ...sie lässt ihn schlafen! -lach-
HoChiMinh: Warum ward Ihr nicht bei der DCIG?
Ilse Grinz: Wir waren nicht bei der DCIG. Weil ich 97 das CI noch nicht kannte und der DSB die erste Adresse für mich war. Im DSB habe ich erstmals vom CI erfahren.
Rainer Grinz: Was sollen wir bei der DCIG? Erst war die Hörschädigung da und nicht das CI. Und selbst mit einem CI ist man immer hörgeschädigt, denn ein CI ist kein vollständiger Ersatz.
HoChiMinh: Der DSB hat 97 schon über das CI informiert?
[Im Verein in Essen gab es damals bereits mehrere CI-Träger, da habe ich das kennen gelernt.]
iniKABschnaidi: ich finde es jedenfalls bewundernswert, wie das Ehepaar hier miteinander harmoniert und jeder für den anderen einsteht.
iniKABschnaidi: @Holugin, zur Not kann man nochmal nachfragen :-)
HoChiMinh: Wie kommt ihr dazu, Euch mit dem Thema Hörschädigung und Partnerschaft zu befassen? Was ist daran so besonders?
[Rainer Grinz: Viele Paare haben damit Probleme und trennen sich sogar deswegen, weil sie damit nicht zurecht kommen.]
Nygen: Wie lange würdet es dauern, wenn die hörgeschädigte und hörende Partner LBG lernen?
Ilse Grinz: LBG muss man ständig anwenden, das stimmt. Sonst verlernt man es schnell wieder. Daher rate ich auch jedem, wenn man es lernen möchte, sollte es die ganze Familie lernen.
iniKabKelly: LBG muss man ständig anwenden...dann geht es bald flüssig!
Nygen: Was bedeutet DCIG?
[Ilse Grinz: Deutsche Cochlear-Implant Gesellschaft.]
Holguin: Wenn Sie gemeinsam einen Urlaub planen, auf was achten Sie da besonders?
Rainer Grinz: Urlaub soll Spaß machen und erholsam sein, vor allem erholsam sein.
Jonathan: Urlaub muss erholsam sein, stimmt? Aber eigentlich ist es doch ohne Belang, ob man hörgeschädigt bzw. hörend ist, oder?
Holguin: Angenommen, Frau Grinz, Sie sitzen mit Fremden in einer Gaststätte an einem Tisch und kommen ins Gespräch. Eine Person hält sich oft die Hand vor den Mund. Wie bzw. wer von Ihnen macht die Person darauf aufmerksam, dass Sie, Frau Grinz, von den Lippen ablesen müssen?
Ilse Grinz: Das mache ich schon selber. Wer mich kennt, weiß, dass ich da ziemlich selbstbewusst bin und zu meiner Hörschädigung stehe, offen damit umgehe. Ist mir auch lieber so, denn wenn mein Mann das machen würde, wäre das wohl nicht so toll.
Communicator: Frau Grinz, Sie sind auf einem Wochenend-Trip und stellen fest, dass Sie Ersatzbatterien vergessen haben. Wie gehen Sie, Herr Grinz, damit um?
[Rainer Grinz: Sie meinen, wenn wir gemeinsam unterwegs sind oder? Erstmal ist das ein Problem meiner Frau, weil sie dann nichts mehr hört. Wir beide haben kein Problem, können ja beide LBG. Es kann höchstens sein, dass ich dann mehr dolmetschen muss. Aber erstmal wird versucht, Ersatzbatterien aufzutreiben.]
Nygen: Theoretisch funktioniert es nur, wenn die hörgeschädigte Berufstätige und der hörende Partner die gleichen Interesse (z. B. Computer, Musik) haben, oder?
Ilse Grinz: Das verstehe ich jetzt nicht, was gemeint ist. Klar braucht man gleiche Interessen. Aber das ist doch überall so. Und was hat das mit Berufstätigkeit zu tun. Wir haben es hier mit dem Thema Partnerschaft zutun. :-)
Communicator: Herr Grinz, haben Sie schon einmal das Kommunikationsforum in Berlin besucht?
Rainer Grinz: Das KOFO in Berlin nicht aber beim KOFO in Essen war ich schon einige Male.
HoChiMinh: Was ist KoFo?
iniKABschnaidi: KOmmunikations FOrum
Ilse Grinz: Also KOFO ist Kommunikationsforum für Hörgeschädigte. Wird in mehreren Städten angeboten. In Essen gemeinsam mit Gehörlosen.
HoChiMinh: Wofür steht Kommunikationsforum?
iniKabKelly: ...KoFu ist ein Veranstaltungsort für Hörgeschädigte
iniKabKelly: ...hier lernt man, dass auch die Gehörlosenwelt sehr lebhaft sein kann!
Kelly: Was mich mal interessiert, Herr Grinz, haben Sie manchmal das Gefühl, dass Sie in Ihrer Partnerschaft immer der Rücksichtsvollere sein müssen?
[Rainer Grinz: Ich bin von Natur aus der Rücksichtsvollere. (Gentleman)]
ulrike: Guten Abend Ilse, guten Abend Rainer, fast hätte ich Euch verpasst
Nygen: Grund - Berichte der ständigen Hörprobleme
Kelly: Haben Sie Kontakt zu anderen Paaren, die sich in der gleichen Situation befinden wie Sie?
Rainer Grinz: In die Paargruppe zu gehen ist immer gut.
Nygen: Welche Themen werden berichtet?
Ilse Grinz: Meinst du im KOFO. Alles mögliche - nicht nur Hörgeschädigtenthemen. Schau mal ins Schwerhoerigen-Netz unter Kultur. Da sind die Themen unter Kommunikationsforum Essen aufgeführt.
Nygen: Welche Kulturen sind es? (amerik. deutsch, LBG. DGS)
[Ilse Grinz: Die Frage verstehe ich nicht. Und hat auch wohl nichts mit dem heutigen Thema zu tun.]
ulrike: Ilse - was meinst Du, sind wir als Hörgeschädigte empfindlicher als gut hörende Partner?
Rainer Grinz: Also Hörende können auch ganz schön empfindlich sein. Das würde ich nicht unbedingt an die Hörschädigung hängen.
Ilse Grinz: Ja das stimmt. Sensibler bzw. anfälliger für bestimmte Reaktionen.
Limbach: Welche Themen werden hauptsächlich in der Paargruppe behandelt?
[Ilse Grinz: Hier geht es vorwiegend um Partnerschaftsprobleme. Oft sicher auch um die Kommunikation miteinander und die Probleme, die damit verbunden sind. Aber auch ganz normale zwischenmenschliche Themen werden dort besprochen. Alles, was mit Partnerschaft zutun hat. Oft dann auch beleuchtet in Bezug auf Hörschädigung.]
iniKABschnaidi: [zu Nygen] Diesen Monat war das Thema auf dem KoFo "Ich und Du-Selbstwertgefühl und Respekt", moderiert von einer gehörlosen Frau.
Nygen: Welche Themen der Kultur werden besprochen?
Limbach: Ist die Paargruppe eine Selbsthilfegruppe oder unter professioneller Anleitung?
[Ilse Grinz: Es ist eine Selbsthilfegruppe, die 1991 von einem betroffenen Paar (Renate und Uli Welter) gegründet wurde. Sicher laden wir auch mal Therapeuten oder Fachleute ein aber im Vordergrund steht der Austausch mit anderen betroffenen Paaren.]
polarbaer: Na klar, kommt doch in die Henkelstraße in die Paargruppe.
polarbaer: Wann ist das nächste Paargruppen-Treffen und wo?
[Ilse Grinz: Wir treffen uns das nächste Mal am 27. März. Weitere Termine sind der 17. Juli und der 20. November. Jeweils von 10:30 Uhr bis ca. 17:00 Uhr. Wir treffen uns im Treffpunkt der Schwerhörigenseelsorge in der Henckelstraße 22 in Essen-Holsterhausen.]
ulrike: mein Partner macht mir das manchmal zum Vorwurf, wie siehst Du das als Partner, Rainer?
[Rainer Grinz: Was macht dein Partner dir zum Vorwurf? Meinst du, das Empfindlich sein? Ich habe ja schon gesagt, dass ich das anders sehe.]
Nygen: Das KOFO scheint mir langweilig zu sein. (Gesundheit - Medizin und Gesetze der Politik)
Ilse Grinz: Kommt drauf an - über Besuchermangel können wir nicht klagen. Für andere muss es interessant sein. Und für Themenvorschläge sind wir immer dankbar.
Limbach: Sind die Paargruppen, die speziell auf die Hörschädigung des jeweiligen Partners eingehen, überall in Deutschland zu finden. Oder gibt das nur in bestimmten Städten?
Rainer Grinz: Die Paargruppe gibt es nur in Essen, leider.
gabi: Ilse, wie bekommt man den Partner in die Paargruppe ?
Ilse Grinz: Gute Frage. :-) War bei mir kein Problem. Oft sind es komischerweise die hörenden Partner, die kommen möchten und der Schwerhörige weigert sich. Ist ganz unterschiedlich.
iniKabKelly: ...ich verabschiede mich, denn hier werden mir zu viele Aussagen einfach nicht weitergegeben. SCHADE!
Ilse Grinz: Sorry, aber wir haben Probleme mit der Technik. Da rutscht vieles durch. Tut mir leid
Rainer Grinz: Tut mir leid, aber alles können wir so schnell auch nicht beantworten
Limbach: Welche Gefühle hatten Sie, Frau Grinz, als sie zum ersten Mal zu einer Paargruppe gegangen sind?
Ilse Grinz: Kann ich versuchen zu antworten, wenn es noch klappt. Ich bin mit gemischten Gefühlen gegangen. Aber ich stand damals am Anfang der Hörschädigung. Da hat man jede Hilfe genommen, die man kriegen konnte.
Moderator: Wenn es keine Fragen mehr gibt, schlage ich vor, den Chat zu beenden. Vielen Dank an Ilse Grinz und Rainer Grinz für die Beantwortung der Fragen, Dank auch an die Frager für die rege und lebhafte Teilnahme. Das Chat-Protokoll steht in den nächsten Tagen an dieser Stelle zur Verfügung. Ich wünsche allen noch einen schönen Abend. Der Chat wird jetzt geschlossen.
iniKabKelly: ...bis bald..
gabi: Allen noch einen schönen Abend
Limbach: 'na dann wünsche ich euch einen schönen Abend und alles Gute für die Zukunft.
iniKabKelly: ...Gleichfalls!
ulrike: ja bis morgen iniKABKelly und allen anderen einen schönen Abend
iniKabKelly: ...bis Dienstag... ich freue mich...
