Expertenchat im September 2009
Am 09.09.2009 fand ein Chat statt mit
Ines Helke zum Thema: "Eltern hörgeschädigter Kinder"
- 38 jahre alt, seit Geburt schwerhörig
- Beruf: Sozialpädagogin
- wohnhaft in Hamburg
- Leiterin der Jugendgruppe Hamburg im BdS e.V. Hamburg
- 1. Bundesjugendleiterin im DSB e.V.
"Unser Kind ist hörgeschädigt!?"
Viele Fragen, notwendige Entscheidungen, große Unsicherheiten stürzen auf einen ein. Wie wird unser Kind sprechen lernen? Was kommt jetzt auf uns zu? Werde ich als Mutter meinen Beruf aufgeben müssen, um meinem Kind helfen zu können? Wird unser Kind in der hörenden Welt mit einer Hörbehinderung akzeptiert werden? Was brauchen wir, wer kann uns helfen?
Der Chat wendet sich an die Eltern von hörgeschädigten Kindern und Pädagogen, die mit hörgeschädigten Kindern arbeiten.
Chat-Protokoll
Moderator: Ich begrüße Ines Helke ganz herzlich und die Teilnehmer, die schon online sind. Bitte beachten Sie, dass dieser Chat moderiert wird. Ihre Beiträge werden also erst nach einem Check dem Experten zugeleitet. Bei hoher Beteiligung kann es etwas länger dauern bis Ihre Frage beantwortet wird. Ich wünsche einen regen Meinungsaustausch und nun kann es losgehen.
nana: hallo, jemand da?
MisterDeaf: Guten Abend
Ines Helke: Guten Abend
Moderator: na, dann mal los mit den Fragen...
Rita: hallo
nana: meine Frage ist, sind Eltern hörgeschädigter Kinder organisiert in einer Selbsthilfegruppe? Oder nur Anhängsel in Vereinen wie der DSB, DGB u.a.?
Ines Helke: Es gibt Eltern, die im einem Verein organisiert sind oder in einer Selbsthilfegruppe. Es gibt viele Selbsthilfegruppe, zum Teil in der DCIG e.V. oder auch in Ortsvereinen des DSB e.V.
MisterDeaf: Wird ein Hörtest für mein Kind von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt? Wie verhält es sich bei privat Versicherten?
Ines Helke: Der Akustiker macht einen Hörtest oder der HNO-Arzt macht einen,
ich würde es beim HNO-Arzt zuerst machen lassen. Bei einer privaten Versicherung sollte vorher nachgefragt werden.
nana: ich wohne nicht gerade in Hamburg oder Berlin, suche Austausch mit Fachleuten zur Erziehung hörgeschädigter Kinder... wo gibt es eine Übersicht dazu?
Ines Helke: hier kann ich leider keine exakte Antwort geben, eine Übersicht könnte einmal im taubenschlag.de, schwerhoerigen-netz.de oder in-ohr.de zu finden sein, ich kann ihnen eine Liste zusenden, wenn sie möchten.
Rita: Unsere Infos haben wir aus dem Forum des DCIG
Ines Helke: ja, die DCIG e.V. macht hier schon sehr viel gute Selbsthilfearbeit.
mommi: Unser Kind besucht seit 3 Jahren eine Regelschule und ist schwerhörig. Wir merken, dass es sich von den anderen Kindern immer mehr abgrenzt. Wie können wir uns verhalten, wer hilft uns?
Ines Helke: In der Tat ist es oft, aber nicht immer so, dass RegelschülerInnen von MitschülerInnen gehänselt werden, Vorschlag: Ein Schulprojekt gestalten zum Thema Kommunikation. Dann gibt es die Möglichkeit der Begleitung des mobilen Dienstes, damit eine begleitende Maßnahme das Problem entschärft, löst aber nicht das Problem. Es sollte in der Klasse mit dem Klassenlehrer gemeinsam angesprochen werden.
mommi: Was sage ich den Lehrern? Die Lehrer sind selbst überfordert mit manchen Schülern.
Ines Helke: ja, das stimmt, wichtig ist auch hier wieder das Thema offen und ehrlich anzusprechen, auch hier wieder den mobilen Dienst einschalten. Der mobile Dienst kann über die Schule für Hörgeschädigte erreicht werden, nehmen Sie Kontakt auf.
mommi: wie komme ich an den mobilen Dienst?
Ines Helke: wie eben gesagt, Kontakt mit einer Schule für Hörgeschädigte aufnehmen, das ist der erste Schritt, des Weiteren bietet die Bundesjugend im DSB e.V. Workshop-Wochenenden speziell für RegelschülerInnen an, immer im Sommer in den Sommerferien.
nana: Schulprojekt gestalten, wie? Meine Kinder soll ich in eine andere schule geben, sagt die Schulleitung.
Ines Helke: Das muss individuell entschieden werden. Durch die UN-Konvention "alle inklusiv" muss das Recht der Eltern ernster genommen werden. Ich würde hier den Kontakt mit der Schulleitung aufnehmen. Mit einer entsprechenden Fachperson vor Ort und dann muss gemeinsam geschaut werden, wie können vor Ort die Möglichkeiten verbessert werden. Wichtig ist hier immer das Kind, es sollte auch gefragt werden.
Rita: Ich bin eher der Meinung, dass eine begleitende Person das Kind noch mehr abgrenzen könnte.
Ines Helke: ja, das ist auch oft ein Problem, die RegelschülerInnen möchten die Begleitpersonen oft nicht haben wegen der Sonderrolle, ist aber für die fachliche Beratung am Anfang manchmal doch wichtig. Wichtig ist, dass mit den Lehrern vor Ort gemeinsam gestaltet und besprochen wird.
nana: ich bin voll berufstätig, habe wenig zeit für viele Vereinsarbeit, suche mehr so einen "Stammtisch" mit Gleichgesinnten oder Betroffenen, gibt es das?
Ines Helke: in manchen Orten gibt es so eine Art von Treffpunkten. Am besten sich bei den Ortsvereinen umhören oder bei der DCIG e.V. - manche sind sehr gut organisiert, andere wiederum nicht, kommt immer auf die Leute vor Ort an.
Rita: nana, im DCIG-Forum gibt es verschiedene Anlaufstellen für Stammtische. Es genügt, eine Art "Suchmeldung" zu tippen.
Ines Helke: genau
Benny: Hallöchen
Hörwine: Hallo
nana: wie werden denn normale Schüler auf hörgeschädigte Mitschüler vorbereitet oder informiert? Meine Erfahrung ist, dass dies kaum geschieht und daher die Außenseiterrolle der hörgeschädigten Kinder zunimmt.
Ines Helke: wir müssen viel mehr durch Projekte auf die Hörbehinderung aufmerksam machen, hier sollten sich Eltern und der entsprechende Lehrer austauschen, inwieweit so etwas umgesetzt werden kann. Es gibt Schulen, die laden Gehörlose oder Schwerhörige ein und sie gestalten mit den Schülern das Thema, das kommt gut an. Es muss sensibilisiert werden, damit die hörenden SchülerInnen sich vorstellen können, wie es ist, nicht richtig zu hören.
BineMaja: Mein Kind, 10 Jahre alt, ist hörend, ich bin schwerhörig, leider klappt die Kommunikation nicht sehr gut, an wen kann ich mich wenden?
Ines Helke: es gibt Erziehungshilfen, die in der Kommunikation Tipps geben. Es müssen in der Kommunikation Regel aufgestellt werden. Vielleicht motiviert auch ein Gebärdenkurs zusammen, damit Ihr Kind lernt, wie eine bessere Kommunikation möglich wird.
nana: solange die Kinder Kinder sind, werden Hörhilfen angenommen, aber mit der Pubertät lehnen sie dies ab, was tut man dagegen?
Ines Helke: auch ein schwieriges Thema. Hier sind Vorbilder wichtig, Kontakt mit Erwachsenen aufnehmen, gewisse Regeln aufbauen. Wenn der Jugendliche in der Schule ist, um den Unterricht zu folgen Hörgeräte tragen, wenn er Ruhe haben möchte, die Hörgeräte nicht einsetzen. Das Thema muss auch hier wiederum in einem Prozess immer wieder angesprochen werden. Und vor allem der Kontakt zu anderen Betroffenen ist wichtig.
nana: ist der DSB auch für Eltern hörgeschädigter Kinder geeignet? Ich finde, da ist vieles laienhaft, Fachlichkeit fehlt oder?
Ines Helke: Der DSB e.V. ist gerade dabei, etwas aufzubauen, siehe im Internet.
Ansonsten empfehle ich die Bundesjugend im DSB e.V. Es gibt auch Jugendgruppen in den Ortsvereinen. Im Internet stehen die Adressen.
nana: meine Freundin ist ertaubt und hat hörende Kinder, sie will aber nicht nur Pädagogen, sondern mehr Erfahrungsaustausch, Gleichgesinnte ohne wissenschaftliches Gerede, gibt es so etwas?
Ines Helke: auch hier wieder schauen, ob es in der Nähe einen Ortsverein oder Selbsthilfegruppe gibt. Oft entstehen im Verein Freundschaften und dann kann man sich privat woanders treffen. Nur über diesen Weg entstehen soziale Kontakte.
nana: sorry für meine Tippfehler, meine Finger sind nicht so schnell wie meine Gedanken :-)
Moderator: kein Problem, geht den Meisten so.
nana: Ist die Bundesjugend etwa nicht der DSB? Was "Extra" ?
Ines Helke: Die Bundesjugend im DSB e.V. ist so eine Art Untergruppe mit eigener Satzung und Zielrichtung.
Hörwine: *anspreche
Moderator: ?
Tina: Hallo, ich komme einfach nicht mit der Schwerhörigkeit meiner Tochter klar, bin alleinerziehende Mutter. Sie ist nun 8 Jahre alt, aber bald kommt sie in die Pubertät. Was soll ich dann machen?
Ines Helke: Eine Beratungsstelle aufsuchen, damit geschaut werden kann, wo professionelle Hilfe notwendig ist. Hier sehe ich das Thema Kommunikation. Es ist für das Akzeptieren der Hörbehinderung auch hier der Austausch mit anderen betroffenen Eltern oft hilfreich.
nana: Sind die Schulen für Hörgeschädigte eine gute Lösung bei leichtgradig Schwerhörigen?
Ines Helke: es kommt immer auf das Schulkind an, meine Erfahrungen sind sehr unterschiedlich. Ist es ein leistungsstarker Schüler mit einer guten und stabilen Persönlichkeit, hat er gute soziale Kontakte und fühlt er sich gut aufgenommen, dann ist eine Regelschule gut. Wenn aber die Kommunikationsprobleme auf der Regelschule nicht bewältigt werden, sollte überlegt werden, ob eine Schule für Hörgeschädigte besser ist, denn die Persönlichkeitsentwicklung ist auch ein wichtiger Prozess zum Erwachsenwerden ;o)
nana: hui, Kommunikation... Akzeptieren der Hörschädigung... das klingt so weltfremd, denn die Praxis sieht anders aus... die Hörschädigung wird von den Betroffenen oft als Makel empfunden.
Ines Helke: deswegen den Kontakt zu Betroffenen aufnehmen. Denn durch den Austausch mit den Betroffenen entstehen neue Wege. Ganz wichtig, wir müssen es akzeptieren und damit offen umgehen, ich trage zum Beispiel bewusst bunte Hörgeräte.
Rita: nana, vielleicht fühlt sich das Kind genau deswegen in einer Schwerhörigen-Schule besser. Dort haben ALLE diesen "Makel"
Ines Helke: hier kann ich "ja" sagen, in der Schule für Hörgeschädigte sind alle gleich. Hier kann sich das Kind auf das Lernen konzentrieren ohne dem Druck ausgesetzt zu sein, ich bin in einer Sonderrolle. Auch ich habe mich in der Schule für Hörgeschädigte wohl gefühlt ;o)
Hörwine: Man muss die Hörbehinderung annehmen und sie akzeptieren, dann wird es einfacher und die Betroffenen dürfen nicht immer nur bei sich selbst den Fehler suchen!
nana: Kontakt zu Betroffenen ist gut, aber man will sich nicht gettoisieren und nur unter seinesgleichen sein, sondern am normalen Leben teilhaben.
Ines Helke: Jeder muss ein entsprechendes soziales Umfeld aufbauen. Wichtig ist, wenn ein hörendes Umfeld erwünscht wird, dass sie mit der Hörbehinderung umgehen können, denn sonst ist wieder Stress angesagt. Ich kenne viele junge Menschen, die in der Bundesjugend aufblühen, weil hier auf die Kommunikation geachtet wird, das ist sozusagen der Tanker, um Kraft zu saugen. Ich habe selbst schwerhörige, gehörlose und auch ein paar hörende Freunde und ich muss die Hörenden aufklären und manche lernen für mich die Gebärdensprache.
Rita: Muss mich leider ausklinken, viele Grüße an alle.
Susi: Hallo, kommt meine Frage noch?
Moderator: bestimmt, die Reihenfolge ist etwas durcheinandergeraten
nana: nächste frage ist: Sollen mittelgradig schwerhörige Kinder sprachorientiert oder gebärdenorientiert aufwachsen?
Ines Helke: das Kind soll alles an Kommunikationsmöglichkeiten bekommen Lautsprache, Gebärdensprache. Das Kind soll selbst entscheiden dürfen und nicht bevormundet werden. Wichtig ist, dass Kommunikation offen nach außen gebracht wird.
nana: geht das? alles?
Ines Helke: es ist ein Prozess. Es geht nicht von heute auf morgen.
Hörwine: Darf man nur Fragen stellen und nicht kommentieren?
Ines Helke: muss die Moderation bestimmen ;o)
Moderator: Ines, bitte mal nach OBEN scrollen und die ERSTEN Fragen beantworten...
Hörwine: ja ich seh' meinen text nirgendwo ---
Moderator: welchen Text? Ich habe nix gelöscht...
nana: hmm, können Kinder schon selbst entscheiden, was für sie in der Zukunft an Sprache wichtiger ist?
Ines Helke: den Kindern sollte alles angeboten werden, denn ich kenne viele Erwachsene die später zum Beispiel die Gebärden lernen und hätten es gerne schon während der Kindheit erlernt, denn Laut- und Gebärdensprache ist auch eine entspannte Kommunikation und das brauchen wir. Man kann nicht alles vom Mund absehen oder ständig alles akustisch schaffen.
Hörwinchen: mein Internet scheint zu langsam...
Moderator: nur Geduld, dieser Chat ist nicht der Flotteste.
nana: wie viele hörgeschädigte Kinder gibt es eigentlich?
Ines Helke: das kann ich nicht so sagen.
SuperMami: Vor kurzem haben wir erfahren, dass unser 2jähriges Kind hörgeschädigt ist. Wer hilft uns dabei, damit unser Kind richtig sprechen lernt?
Ines Helke: es gibt die Logopädie, Frühförderung in den Schulen für Hörgeschädigte, in vielen Bundesländern gibt es bereits gute Begleitung und ganz wichtig, auch hörgeschädigte Pädagogen einbeziehen wegen der Vorbildfunktion für das Kind.
nana: danke, es war sehr anregend für mich und meine schwerhörigen und ertaubten Kinder (drei) aus der Potsdamer Gegend... ich verabschiede mich :-)
Ines Helke: Auf Wiedersehen.
Daddy1974: Wie kann ich meinem hörgeschädigten Kind am besten helfen, wie kann ich auf seine Behinderung eingehen?
Ines Helke: Immer auf gute Kommunikation achten, langsam und deutlich sprechen und auch in der Wohnung Blitzlichtanlagen einsetzen, damit es früh lernt, mit technischen Hilfen umzugehen. Auch hier wieder den Kontakt zu anderen Gleichgesinnten aufnehmen.
Hanna: Guten Abend. Ich bin Mutter einer Tochter, sie ist 6 Jahre alt und schwerhörig. Ich möchte, dass mein Kind in eine Regelschule geht, möchte mein Kind nicht in eine Schwerhörigenschule geben, da diese zu weit weg ist. Was kann ich noch tun, damit eventuell Schwierigkeiten in der Schule gar nicht erst passieren?
Ines Helke: Es sollte der Klassenraum akustisch getestet werden und mit einem Teppich versehen sein, die Klasse sollte von Anfang an informiert werden und auch die Lehrer müssen dementsprechend aufgeklärt werden. Auch hier den mobilen Dienst einbeziehen.
Doreen: Hallo, mein Sohn ist mittlerweile 15 Jahre alt, er ist hochgradig schwerhörig, gut in der Realschule, aber er hat keinerlei soziale Kontakte. Wenn ich ihn darauf anspreche, dass er mal was mit seinen Mitschülern unternehmen soll, meint er, die sind nicht schwerhörig und er kann sie nicht gut verstehen. In der Schule hat er eine Mikroport-Anlage. Wie kann ich es schaffen, dass er sich Freunde sucht?
Ines Helke: Kontakt aufnehmen mit einer Jugendgruppe, wenn es sie gibt. Des Weiteren, schon oft gesagt, mit der Bundesjugend im DSB e.V. Kontakt aufnehmen.
Schauen, ob es in der Nähe Gruppen gibt, wo sich Gleichgesinnte treffen. Nächstes Jahr gibt es das Sommercamp 2010, dort treffen sich viele RegelschülerInnen, kann ich allen empfehlen!
Hörwine: Hörhilfen in der Pubertät - Als Erwachsener sollte man insofern Vorbild sein, dass man sehr offensiv mit dem Thema umgehen muss. Immer offen ansprechen, auch, warum Erwachsene nicht zu diesem Thema offen stehen. Nur dann bekommt man Resonanz. Ich selbst weiß von vielen Leuten ob ihrer Probleme, nur weil ich sie offen anspreche.
Hörwinchen: (aha mein text ^^)
Moderator: siehste...
Dagmar: Ich möchte mein Kind auch nicht in eine Schwerhörigenschule geben, ich brauche mein Kind und mein Kind hängt auch sehr an mir. Wie viel kostet der mobile Dienst?
Ines Helke: Der mobile Dienst kostet nichts!!! Wichtig ist, Kontakt aufzunehmen
Schlappohrmama: Bin seit dem 6. Lebensjahr schwerhörig (Jahrgang 1958), kann aber Gebärden nicht. Ist es für mich als Mutter eines schwerhörigen Kindes sinnvoll noch Gebärden zu lernen?
Ines Helke: Es ist immer sinnvoll, Gebärden zu lernen ;o), viele sagen, es ist eine entspannte Kommunikation.
Gudrun: Hi, Toni ist 6 Jahre alt, leider sehr hyperaktiv, manchmal rastet er ohne Grund aus, das hat doch aber nichts mit seiner Schwerhörigkeit zu tun oder? An wen sollen wir uns wenden?
Ines Helke: hier eine Beratung aufsuchen, am besten mit der Schule für Hörgeschädigte, dort erreicht man die Fachleute.
Susi1: Ich hatte vorhin gefragt, was ich tun kann. Meine Tochter hat uns vor einem Monat gesagt, dass sie auf Frauen steht. Das war für uns ein Schock, sie ist ja auch schon schwerhörig. Da wird sie es doch noch schwerer haben oder?
Ines Helke: es gibt viele hörgeschädigte und gehörlose Schwule und Lesben und oft ist es für Eltern ein zweiter Schock. Hier ist es wichtig, dass ein zweites Akzeptieren aufgebaut wird, auch wenn es schwer für die Eltern ist.
Schlappohrmama: Meine Tochter, 16 Jahre, ist auch schwerhörig. Ging bisher in Regelschule und hat nur wenig Freunde, Aber im Sommercamp hat sie gleichgesinnte Freunde gefunden. Das baut sie ungemein auf.
Ines Helke: genau, das Sommercamp ist der Renner unter den Hörgeschädigten ;o)
Moderator: wir haben noch sechs Minuten und noch eine ganze Reihe Fragen, bitte keine weiteren Fragen mehr...
Susi1: Gibt es da Beratungsstellen? Was mache ich, wenn meine Tochter sich völlig verschließt oder sich heimlich mit anderen Frauen trifft?
Ines Helke: Wir von der Bundesjugend im DSB e.V. wollen nächstes Jahr einen Workshop anbieten zu diesem Thema.
Petra: An dieser Stelle ein dickes Lob an die Bundesjugend. Ihr leistet tolle Arbeit und die Kinder bzw. Jugendlichen besuchen gern euer Sommercamp.
Hörwinchen: wie alt sind die denn da?
Ines Helke: ab 14 bis 35 Jahre, für unter 14 Jahre bieten wir eine Kinderfreizeit. Das kam dieses Jahr super an und die Sommerfreizeit kam ebenfalls gut an.
Hörwinchen: ah so ok, danke, dann ist das für uns noch kein Thema...
Susi1: Was machen Sie beruflich?
Ines Helke: ich bin Sozialpädagogin und leite Workshops, zum Beispiel Gebärden- und Kommunikationskurse.
Deafi: Wie kann ich feststellen, ob mein Kind schlecht hört, es ist gerade mal 1 Jahr alt?
Ines Helke: zum HNO-Arzt gehen.
Daddy1974: Was muss ich mir unter bilingualer (zweisprachiger) Erziehung vorstellen?
Ines Helke: Der Unterricht wird in Lautsprache und Gebärdensprache stattfinden, es werden beide Sprachen gefördert, ich begrüße bilingual.
Schlappohrmama: Dass das Sommercamp der Renner ist, meint meine Tochter auch. Ich selbst bin einem Schwerhörigenverein und dort fühle ich mich wohl, die Kommunikation und der Umgang miteinander ist einfühlender als unter Normalhörenden.
Daddy1974: Können Sie mir Literaturquellen nennen, was Eltern über hörgeschädigte Kinder wissen sollten?
Ines Helke: Fachliteratur kann im Taubenschlag.de abgerufen werden oder im Median-Verlag.
Daddy1974: Welche Förderungen bekommt mein Kind, wenn es hörgeschädigt ist und wo beantrage ich diese?
Ines Helke: Auch hier wieder den Kontakt zur Schule für Hörgeschädigte aufnehmen. Entweder ist das Sozialamt zuständig oder die Krankenkassen, immer abhängig, was beantragt werden soll und auch muss. Hier unterstützen die Lehrer vor Ort.
SuperMami: Unser Sohn soll in eine Kindertagesstätte gehen. Raten Sie zu einer Regel-Tagesstätte oder eher zu einer Tagesstätte für hörgeschädigte Kinder?
Ines Helke: ich empfehle beide Einrichtungen - sowohl für hörgeschädigte Kinder und den Regelkindergarten - anzuschauen, hospitieren und immer beobachten, ob sich das Kind wohl fühlt in der Umgebung. Manche sind in einem Regelkindergarten gut aufgehoben, und andere wiederum nicht, weil in einem Kindergarten für Hörgeschädigte die Kommunikation ein wichtiger Bestandteil ist.
Hörwinchen: unser Kind hatte beides, war aber im Kindergarten für hörgeschädigte zufriedener...
Brigitte: Allein schaffen das die Eltern in der Regelschule nicht, für ihr Kind immer zu sprechen vor den Lehrern. Günstiger ist eine neutrale Person aus der Beratungsstelle.
Hörwine: es ist auch eine frage, wie schwer die Hörbehinderung ist!
Ines Helke: bei mir meinen sie?
Ines Helke: ich bin hochgradig an Taubheit grenzend schwerhörig und kann nicht telefonieren und bin trotzdem fit in der Kommunikation
Hörwinchen: das war zum Thema Jugendschwerhörigkeit...
Schlappohrmama: Sie sprechen davon, sich Infos über die Schule für Hörgeschädigte oder über den mobilen Dienst zu holen. Finde ich auch in Ordnung. Warum aber könnte einem ein HNO-Arzt nicht auch den Tipp geben, diese Beratungsstellen aufzusuchen? Denn wenn ein Elternteil meint, sein Kind hört schlecht, wird er es zuerst zum Arzt bringen und wird dann mit dem Problem allein gelassen auch bzgl. Zuschüsse nach dem Eingliederungsgesetz etc. Ich habe selbst die Erfahrung machen müssen.
Ines Helke: viele HNO-Ärzte sind leider schlecht qualifiziert, das haben wir oft feststellen müssen, hier müssen wir dringend etwas ändern und der Deutsche Gehörlosenbund e.V. steht deswegen auch im Kontakt mit Ulla Schmidt.
Moderator: Vielen Dank an Ines Helke für die Beantwortung der Fragen, Dank auch an die Frager für die rege und lebhafte Teilnahme. Das Chat-Protokoll steht in den nächsten Tagen an dieser Stelle zur Verfügung. Ich wünsche allen noch einen schönen Abend. Der Chat wird jetzt geschlossen.
