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Expertenchat im Juni 2009

Am 24.06.2009 fand ein Expertenchat statt mit

Caroline Schupp zum Thema "Kommunikationsassistenz im Beruf"

 

  • Jahrgang 1978
  • 2000-2004 Diplomstudium der Sozialarbeit/Sozialpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule RWL in Bochum
  • 2004-2007 Masterstudium in Beratung und Vertretung im Sozialen Recht an der Fachhochschule Köln,Sozial-Anwältin M.A.
  • Lehrbeauftragte an der Evangelischen Fachhochschule RWL in Bochum
  • Case-Managerin für die medizinische, berufliche und soziale Rehabilitation Unfallgeschädigter
  • Schwerpunkte: Arbeits- und Beschäftigungsförderung, Gesundheits- und Rehabilitationsmanagement, Soziale Ungleichheit und demographischer Wandel
  • Seit 2009 an der Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl für Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung
"ini.KAB" - Initiative Kommunikationsassistenz für den Beruf

Qualifizierung von Berufsrückkehrenden und Arbeitssuchenden zu Kommunikationsassistenten zur Sicherung und Teilhabe schwer behinderter hörgeschädigter Menschen am Arbeitsleben.

Im Januar ist in Bochum ein Modellprojekt gestartet, bei dem Arbeitsassistenten für hörgeschädigte Arbeitnehmer/innen ausgebildet werden sollen. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit der Ruhr-Universität Bochum (Lehrstuhl für Arbeitsorganisation und -gestaltung), der BKP-Unternehmensberatung, dem DSB e.V., dem Landesverband NRW des DSB e.V. und der Arbeitsagentur Bochum.

Anspruch des Projektes ist es, eine Vermittlungszentrale für Arbeitsassistenten für hörgeschädigte Arbeitnehmer/innen in Nordrhein-Westfalen aufzubauen und 20 arbeitslose Berufsrückkehrer/innen in einer Ausbildungsmaßnahme zu Arbeitsassistenzen für hörgeschädigte Arbeitnehmer/innen auszubilden. Der DSB e.V. wird sich mit Referenten am Lehrgang beteiligen, um zu gewährleisten, dass die Lehrinhalte praxisbezogen sind. Die wissenschaftliche Begleitung der Ausbildungsmaßnahme erfolgt durch die Ruhr-Universität Bochum, und die Projektleitung wird von der Unternehmensberatung BKP wahrgenommen.

Das Projekt hat Pilotfunktion für die Ausbildung von Assistenten, die lautsprachlichorientierte Arbeitnehmer/innen bei der Bewältigung von Barrieren in der Arbeitswelt unterstützen sollen.

Chat-Protokoll

Moderator: Ich begrüße Caroline Schupp ganz herzlich und die Teilnehmer, die schon online sind. Bitte beachten Sie, dass dieser Chat moderiert wird. Ihre Beiträge werden also erst nach einem Check dem Experten zugeleitet. Bei hoher Beteiligung kann es etwas länger dauern bis Ihre Frage beantwortet wird. Ich wünsche einen regen Meinungsaustausch und nun kann es losgehen.

DirkOVBonn: Hallo zusammen. Schönen guten Abend.
BirgitN: hallo, ist schon jemand da?
Moderator: Hallo Frau Schupp, sind Sie schon online?
Bubi: Hallooo! Guten Abend
Tanja: Schönen guten Abend

Tanja: Wie ist die bisherige Resonanz auf den Kommunikationsassistenten? Ich könnte mir vorstellen, dass Hörgeschädigte nur zögerlich das Angebot wahrnehmen werden.
Caroline Schupp: Erstmal guten Abend und Hallo von der Uni Bochum. Ich freue mich, heute mit Ihnen diskutieren zu dürfen! Legen wir direkt los, ja? Hallo Tanja: Bisher gibt es kaum Assistenten, kaum Informationen und dementsprechend kaum Nachfrage - das stimmt.

Ines: Was ist die Idee des Kommunikationsassistenten?
Caroline Schupp: Die Assistenz unterstützt bei der notwendigen Kommunikation im Beruf. Die Kernaufgaben des Hörgeschädigten bleiben dennoch absolut unberührt. Die Idee ist also, die Teilhabe an der Kommunikation zu sichern.

Hoerb09: Hallo Frau Schupp! Erste Frage vorweg: Wie und wo kann eine Arbeitsassistenz beantragt werden? Und wie lange dauert in der Regel das Antragsverfahren?
Caroline Schupp: Es gibt mehrere Zuständigkeiten: Das Integrationsamt, die Bundesagentur für Arbeit oder die ARGEn/Jobcenter. Das wird im Einzelfall geprüft.

Ines: Kann der Kommunikationsassistent Gebärdensprache?
Caroline Schupp: Nein, die Kommunikationsassistenz nach ini.KAB richtet sich an Lautsprachorientierte. Nach Absolvierung der Weiterbildung werden sie LBG können.

Ines: Wird es einen Bericht geben, wenn die Ausbildung fertig ist?
Caroline Schupp: Ja, die Uni - der Lehrstuhl für Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung - entwickelt ein Curriculum. Die Umsetzung erfolgt durch den DSB. Dies evaluieren wir und werden einen Bericht verfassen - Sie sehen: ini.KAB ist auch ein "lernendes Projekt".

Bubi: Was verstehe ich unter den Begriff "ini.KAB"?
Caroline Schupp: ini.KAB = Initiative für Kommunikationsassistenz für Hörgeschädigte im Beruf, das ist der Titel unseres Modellprojektes.

Bubi: Wie wird denn Werbung gemacht?
Caroline Schupp: Nun, wir forschen zunächst, führen seit Februar Interviews mit Hörgeschädigten mit und ohne Assistenzerfahrung, mit AssistentInnen und mit ExpertInnen aus verschiedenen Bereichen. Seit Kurzem haben wir Flyer, bald wird auch eine Homepage freigeschaltet. Und ab September 2009 planen wir zusätzlich Veranstaltungen. Öffentlichkeitsarbeit in der Presse versteht sich von selbst.

Bubi: Gibt es die Berufsbezeichnung "Kommunikationsassistenz" auf dem Arbeitsmarkt denn schon?
Caroline Schupp: Tja, die Bezeichnung so eine Sache... Die Bezeichnung wird in verschiedenen Kontexten genutzt, u.a. für Gebärdensprachdolmetscher. Wir entwickeln ein neues Tätigkeitsbild, um den Begriff fest zu verorten.

Morsealfi: Wer war denn in Bayern der Organisator?
Moderator: Hallo Morsealfi, das Projekt läuft in NRW

Tanja: Frage an den Moderator: Wird meine Frage beantwortet?
Moderator: ganz gewiss, dauert nur etwas...

Lisa: Was ist das neue an der Maßnahme? Ich habe gehört es gibt eine wissenschaftliche Begleitung. Stimmt das?
Caroline Schupp: Es gibt Einiges, was innovativ ist. Bis lang gibt es kaum Arbeitsassistenten für Hörgeschädigte, und wenn es sie gibt, haben sie sich aus der Praxis entwickelt. Feste Standards, was jemand können muss, gab es bislang nicht. Außerdem gibt es bisher keine Vermittlungszentrale für Kommunikationsassistenz. Beides entwickelt und erprobt das Projekt - und es wird wissenschaftlich mitentwickelt und geprüft.

Morsealfi: 2008 war das Projekt auch in Bayern oder?
Moderator: meinst du ini.KAB? das ist 2009 in NRW gestartet.
BirgitN: Soweit ich weiß, sollte es mal ein Projekt in Bayern geben. Aber das ist damals nicht zustande gekommen.

Ines: gibt es einen unterschied zwischen Schriftdolmetscher und Kommunikationsassistenten?
Caroline Schupp: Ja, den gibt es. Schriftdolmetscher schreiben ausschließlich, das dafür sehr gut, schnell und ausdauernd. Kommunikationsassistenten zielen stärker auf Oral- und Telefondolmetschen ab, schreiben nur kurzfristig mit.

Tanja: Das hört sich gut an. Aber wie ich das verstanden habe, gilt das Angebot nur für NRW?
Caroline Schupp: Vielen Dank! In der Modellphase 2009 bis 2010 wird erstmal NRW im Fokus sein, das stimmt. Mittel- und längerfristig soll einer Ausweitung aber nichts im Wege stehen. Qualität setzt sich durch...

Bubi: Nur im Beruf? Kann ich diese Assistenz auch zu privaten Behördengängen mitnehmen?
Caroline Schupp: Vorhin hatten wir schon die Frage der Kostenträger. Für private Einsätze ist dies wesentlich schwieriger. Im Fokus steht daher die Arbeitsassistenz für die Arbeit und die Arbeitsuche.

Hoerb09: Und an wen wende ich mich nun am Besten als Erstes?
Caroline Schupp: Am besten erstmal an Ihren Integrationsfachdienst für Hörgeschädigte.

Moderator: es sind 10 User online, wir haben ca. 15 Fragen vorliegen, etwas Geduld bitte...

Bubi: Kennen alle Integrationsämter und ARGEn schon das Projekt?
Caroline Schupp: Bochum ja, denn hier sind Agentur und ARGE auch strategische Partner. Schließlich zielt der Auftrag vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales darauf ab, Integrationsförderung und Beschäftigungsförderung zu verzahnen. Ausweitung nicht ausgeschlossen...

Bubi: Was ist der Unterschied zwischen einer Arbeitsassistenz und einer Kommunikationsassistenz?
Caroline Schupp: Kommunikationsassistenz ist Arbeitsassistenz für Hörgeschädigte.

Ines: Warum wird ein Kommunikationsassistent für den Beruf benötigt? In welchem Zusammenhang kommt er bei einem Hörgeschädigten in Frage?
Caroline Schupp: Immer dort, wo Kommunikation notwendig ist, z.B. bei Telefonaten, Besprechungen, Konferenzen, Videokonferenzen, Fortbildungen, Ortsbegehungen, usw.

Bubi: Wie lange dauert die Ausbildung und wie lange dauert dann die Weiterbildung?
Caroline Schupp: Die Weiterbildung dauert 9 Monate.

Lisa: Ist Telfondolmetschen auch Bestandteil des Kommunikationsassistenten?
Caroline Schupp: Ja, sogar der Schwerpunkt.

Ines: ini.KAB ist ein lernendes Projekt, dann muss es doch ein neues Modell einer Unterstützung für hörgeschädigte Menschen im Beruf sein?
Caroline Schupp: Ja, das neues Modell wird sicher für viele Hörgeschädigte eine wertvolle Ergänzung sein können.

Hoerb09: Beantrage ich als Arbeitsnehmer direkt beim Integrationsamt eine Arbeitsassistenz?
Caroline Schupp: Ja, das Integrationsamt prüft den Antrag und den persönlichen Bedarf an notwendiger Assistenz.

Ines: ist ini.KAB der spezielle Ausdruck für den zu entwickelnden Kommunikationsassistenten?
Caroline Schupp: Wer die Weiterbildung erfolgreich absolviert, wird vom DSB e.V. geprüft und zertifiziert. Gut ausgebildete Assistenz wird dann als "ini.KAB zertifiziert" bezeichnet werden - ab Mai 2010, wenn der erste Durchlauf abgeschlossen sein wird.

Morsealfi: In Bayern wurden bereits 2008 Kommunikationsassistenten ausgebildet. Begibt sich ini.KAB hier auf Neu-Eis?
Caroline Schupp: In Bayern gab es zu wenige Gebärdensprachdolmetscher. Um den Bedarf dennoch zu decken, wurde mit den Kommunikationsassistenten eine "Light-Version" mit kurzer Ausbildung geschaffen. Davon ist unser Ansatz weit entfernt, sowohl inhaltlich als auch strukturell.

Lisa: Können Sie Schwerpunkte nennen, was Sie aus den Interviews erfahren haben, was der Kommunikationsassistent können muss?
Caroline Schupp: Wir haben viel zu Kenntnissen, Fähigkeiten und Eigenschaften erfahren. Besonders wichtig sind z.B. gute Schreib- und Deutschkenntnisse, die Fähigkeit, sich zurückzunehmen, viel über Hörschädigungen zu wissen und sich auf die Hörgeschädigten einlassen zu können. Wir werden bald das Tätigkeits-, Anforderungs- und Kompetenzprofil veröffentlichen. Dort stellen wir eine zusammenfassende Liste dar.

Lisa: Woher kommt die Idee der neuen Tätigkeit des Kommunikationsassistenten?
Caroline Schupp: Die Tätigkeit ist weniger neu als vielmehr wenig verbreitet. Der Rechtsanspruch auf Arbeitsassistenz ist seit 2001 im SGB IX verankert. Trotzdem wissen Viele gar nichts davon. Das hat eine Studie unseres Lehrstuhls in Kooperation mit dem DSB und der Unternehmensberatung bkp 2005/2006 ergeben. Für andere Behinderungen hat sich die Assistenz schon stärker durchgesetzt.

Morsealfi: Wie viele Personen sind denn am Projekt beteiligt und an wen kann man sich wenden? Wer ist der Koordinator?
Caroline Schupp: Das Projekt ist eine Entwicklungspartnerschaft unter Leitung der Unternehmensberatung BKP GbR. Beteiligt sind der DSB e.V. der Landesverband NRW des DSB, unser Lehrstuhl und die Ruhr-Universität. Der "Chef" im Ring ist Dr. Dirk Kuntscher, das "K" von bkp (sagt er selbst immer so)

Ines: Ist die Homepage für den Kommunikationsassistenten schon bekannt?
Caroline Schupp: Wir sind noch in der "Baustellen-Phase" es geht aber bald los. Einfach häufiger mal unter http://www.inikab.de nachsehen!

Lisa: Woran liegt das, dass es keine Standards gibt?
Caroline Schupp: Es gibt bislang keine Tätigkeitsbeschreibung und keine Ausbildung.

Hoerb09: Soll der Kommunikationsassistent dann die Eier legende Wollmilchsau sein, d.h. fundiert in LBG und Schriftdolmetschen und in den ganzen Techniken, die es sonst noch für Hörgeschädigte gibt?
Caroline Schupp: An diesen Ausdruck musste ich auch schon häufiger denken. Nein, ich glaube nicht. Die Wünsche und Erwartungen sind sehr hoch, da besteht die Gefahr von Enttäuschungen. Wichtig ist, dass Hörgeschädigte sich mit ihrem Arbeitsplatz und seinen Anforderungen genau auseinandersetzen, sich überlegen, ob sie Bedarf an Assistenz haben und ob sie diese wirklich als "Arbeitgeber" führen wollen und können.

Morsealfi: Was ist mit Arbeitsassistenten, die jetzt im Beruf stehen, werden die dann aberkannt?
Caroline Schupp: Auf keinen Fall.

Ballermann: Einen wunderschönen Abend wünsche ich allen

manuel: Ich bin am überlegen, ob ich mich für die Ausbildung anmelde, kann man die Ausbildung als Grundlage für eine spätere Schreibdolmetscher-Tätigkeit verstehen?
Caroline Schupp: Sowohl als Grundlage für Schreibdolmetscher, als auch als Zusatzqualifizierung und Erweiterung für bereits ausgebildete Schreibdolmetscher.

Morsealfi: Wenn nur das in NRW angeboten wird, was ist dann mit denen, die in anderen Bundesländern leben und aber auch an einer Ausbildung interessiert sind.
Caroline Schupp: Dort ist erstmal Geduld angesagt. Wir entwickelt und prüfen einen neuen Ansatz. Wenn dieser sich bewährt und "für gut befunden" wird, steht einer Verbreitung ab Mitte 2010 nichts im Wege.

BirgitN: Sollen denn die ausgebildeten Arbeitsassistenten ausschließlich in NRW tätig werden? Oder können die auch in andere Bundesländer bestellt werden?
Caroline Schupp: Zunächst wird in Bochum und Umgebung ausgebildet. Die Tätigkeit soll sich auch für die Kommunikationsassistenten lohnen; bei langen Fahrtzeiten und Wegstrecken wird das schwierig. Daher ja, zunächst NRW. Bei Umzug aber auch Expansion in andere Bundesländer denkbar, oder?

Ines: Ich würde gerne einen Kommunikationsassistenten haben, was soll ich mich an den Integrationsfachdienst wenden? Oder wie mache ich es?
Caroline Schupp: Wenden sie sich vielleicht auch an Frau Siewering vom DSB NRW. Sie wird die Vermittlungszentrale betreuen und mit Rat und Tat bei der Beantragung zur Seite stehen und bei der späteren Abwicklung unterstützen.

Morsealfi: Muss ich die Ausbildungskosten selbst tragen? Wenn das Integrationsamt ablehnt, was dann?
Caroline Schupp: Als Hörgeschädigter muss man keine Ausbildungskosten tragen. Die Teilnehmer haben auch keine Kosten, in der Modellerprobung wird die Qualifikation kostenfrei sein und unschädlich für den Bezug von Transferleistungen.

Ballermann: Der Kuntscher hatte doch auch schon mal einen Chat hier oder?
Moderator: ja, im vergangenen Jahr

manuel: Was heißt IFD?
Caroline Schupp: IFD = Integrationsfachdienst

Tanja: Wer kann die Ausbildung machen? Eignet sich die Arbeit auch für Männer?
Caroline Schupp: In der Modellphase sind Berufsrückkehrende und (Langzeit)Arbeitslose angesprochen. Lustig, dass Sie nach den Männern fragen. Das habe ich in den Interviews auch immer getan. Die Auswertung hat ergeben, dass Männer ausdrücklich erwünscht sind.

Ines: Was haben die ARGE und die Arbeitsagenturen damit zu tun?
Caroline Schupp: Sie zahlen die Transferleistungen, also Arbeitslosengeld I oder II. Wenn jemand an der Weiterbildung teilnimmt, steht er gewissermaßen ja nicht mehr dem Arbeitsmarkt frei zur Verfügung - hätte damit auch kein Anrecht mehr auf das Arbeitslosengeld. Da die Weiterbildung AZWV (Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung) zertifiziert wird, werden aber auch längerfristig die Arbeitsagentur und ARGE im Rahmen von Bildungschecks die Zahlung von Arbeitslosengeld während der Qualifikation sicherstellen.

Juliane: Ich arbeite gerne, ich weiß nicht so recht, wofür ich eine Arbeitsassistenz gebrauchen könnte, wo könnte er mir bei der Kommunikation helfen?
Caroline Schupp: Das ist eine tolle Feststellung! Wenn Sie an der Kommunikation am Arbeitplatz voll teilhaben können, bei Besprechungen etc. keine Teilhabedefizite haben, dann haben Sie vielleicht keinen Assistenzbedarf. Die Assistenz ist nicht als zwingende Unterstützung zu verstehen, sondern vielmehr als Unterstützung für diejenigen, die bestimmte Aufgaben wahrnehmen müssen und möchten, durch die Hörschädigung aber Schwierigkeiten haben.

Morsealfi: Welche Voraussetzungen sind notwendig, um eine solche Ausbildung aufnehmen und bestehen zu können?
Caroline Schupp: Eine gute Frage: Am wichtigsten ist sicher Offenheit gegenüber Menschen mit Behinderungen, speziell mit Hörschädigungen. Hinzukommen die Bereitschaft zu Praktika und Teilzeitarbeit, Schulabschluss, gute Deutschkenntnisse, Grundkenntnisse und Lernbereitschaft im Umgang mit PC und Internet, Geduld, Zuverlässigkeit, Flexibilität, Mobilität und Dienstleistungs- und Servicementalität.

Morsealfi: Wird sich eher auf Frauen spezialisiert oder auch auf Männer?
Caroline Schupp: Beides.

Tanja: Hm, wenn es nur ums Telefonieren geht, brauche ich doch keine 9 Monate um das zu lernen.
Caroline Schupp: Nein, das Telefon- und Oraldolmetschen ist allerdings ein Schwerpunkt, den man auch trainieren muss - das zeigen die Praxiserfahrungen. Die Themen der Qualifizierung sind neben dem Oraldolmetschen auch Dolmetschtechniken (wie Schriftdolmetschen), professionelles Rollenverhalten und Selbstmanagement, Fitness am Arbeitsplatz, aber auch PC-Module, Praktika, Supervision und Selbstvermarktung - all das braucht Zeit, wenn man es gut können und sicher anwenden will.

Morsealfi: Wenn ich eine ausgebildete Kommunikationsassistenz benötige, wer muss sie dann bezahlen, mein Arbeitgeber oder das Integrationsamt? Und wer bezahlt die benötigte Technik?
Caroline Schupp: Die Prüfung nimmt immer das Integrationsamt wahr. Wenn Bedarf besteht, übernimmt das Integrationsamt die erforderlichen Kosten.

Moderator: Wir haben noch ca. 20 Fragen und nur noch knapp 10 Min. Zeit, bitte keine weiteren Fragen, danke.

Morsealfi: Für Schriftdolmetscher gibt es ja die Vermittlungszentralen, gibt es diese auch für Kommunikationsassistenten?
Caroline Schupp: Ja, ein wichtiges Ziel unseres Projektes ist es, eine Vermittlungszentrale für ini.KAB-zertifizierte Kommunikationsassistenten aufzubauen. Diese wird unter der Schirmherrschaft des DSB NRW aufgebaut.

Ballermann: Wie läuft die Ausbildung ab, 3 Mal die Woche Schule und dann 2 Mal die Woche Praxis? Oder nur schulisch? Und wer sind die Ausbilder?
Caroline Schupp: Die Weiterbildung erfolgt täglich in Teilzeit (familienfreundlich für die Berufsrückkehrenden!), es sind Blockpraktika und Hospitation geplant.

thorsten: Hallo Frau Schupp, ich möchte Sie zumindest begrüßen. Konnte leider nicht früher. Gruß Thorsten Seelig

Lisa: Wo werdet ihr die Kenntnisse zu den Fähigkeiten des Kommunikationsassistenten veröffentlichen? Werdet ihr eventuell die Kenntnisse auch in einer Vorlesung weitergeben?
Caroline Schupp: Das Tätigkeits- Anforderungs- und Kompetenzprofil werden wir auf der bald an den Start gehenden Homepage veröffentlichen. Veranstaltungen sind auch geplant, z.B. gemeinsam für die Teilnehmer und interessierte Hörgeschädigte.

Ballermann: Welche Aufgaben hat denn der Deutsche Schwerhörigenbund dabei?
Caroline Schupp: Der DSB Bundesverband führt die Weiterbildung mit DSB-FachreferentInnen durch. Der DSB NRW wird dann die zertifizierten Kommunikationsassistenten über die Vermittlungszentrale mit interessierten Hörgeschädigten zusammenbringen und passgenau vermitteln. Eine tolle Möglichkeit zum unbürokratischen Ausprobieren ist, sich als PraktikumsgeberIn in Bochum und Umgebung zur Verfügung zu stellen...

Tanja: Wann kann ich mich für die Ausbildung bewerben und wer bezahlt sie?
Caroline Schupp: Die Auswahlveranstaltungen für Interessierte führt die bkp GbR durch. Wenn Sie Interesse haben oder Interessierte kennen, sollten Sie sich schnellstmöglich bei Dr. Dirk Kuntscher oder Brigitte Walschek melden.

Ines: Die Aufgaben an den Kommunikationsassistenten sind vielfältig, deutliches sprechen, simultan sprechen, LBG, schnell schreiben etc. muss er sich eventuell auch auf die unterschiedlichen Bedürfnisse des Hörgeschädigten anpassen können?
Caroline Schupp: Nein, nicht eventuell. UNBEDINGT!!! Der Bedarf und die Bedürfnisse sind individuell stark variierend, abhängig von dem Ausmaß der Hörschädigung und abhängig von der Persönlichkeit. Einfühlungsvermögen und gute Sachkunde sind daher unerlässlich.

Ines: Gibt es zum Thema Kommunikationsassistent für den Beruf Literatur?
Caroline Schupp: Ein wirklich brisante Frage: Grundsätzlich gibt es Literatur zum Thema Arbeitsassistenz. Zum Thema Arbeitsassistenz für Hörgeschädigte fällt die Literaturanalyse allerdings bislang recht gering aus.

Ballermann: Warum ist es so wichtig, dass man eine Ausbildung macht? Es gibt doch jetzt auch schon Arbeitsassistenten.
Caroline Schupp: Stimmt, es gibt sie, allerdings wenige. Und die bestehenden Assistenzverhältnisse haben sich eher individuell zwischen 2 Personen entwickelt. Standards zu erforderlichen Kenntnissen gibt es daher nicht. Wir versuchen nun, für beide Seiten mehr Transparenz und "Dienstleistungscharakter" zu erzeugen. Beide Seiten müssen schließlich ihre Erwartungen kennen und abgleichen können und um ihre Pflichten und Rechte wissen.

BirgitN: Es sind ja schon andere Partner gefunden, die später in anderen Bundesländern die Weiterbildung durchführen werden, z.B. Kombia in Rheinland-Pfalz. Können sich Interessenten jetzt auch schon an diese späteren Ausbilder wenden, wenn sie in deren Bundesländern wohnen? Kann man diese Partner irgendwo einsehen?
Caroline Schupp: Hallo Birgit, schön, auch Dich hier zu treffen. Ja, an die Kombia kann man sich schon wenden. Weitere Entwicklungen werden sich im Laufe des Modellprojektes noch ergeben.

Ballermann: Können auch Hörgeschädigte diese Ausbildung machen?
Caroline Schupp: Das Betroffene Betroffenen helfen?

Tanja: Was wird ein Kommunikationsassistent verdienen, mehr als ein Schriftdolmetscher?
Caroline Schupp: Die Verdienstmöglichkeiten variieren stark. Zum Start sicher nicht mehr als ein Schriftdolmetscher. Wie es sich entwickeln wird, lässt sich noch nicht einschätzen.

Juliane: Könnten Sie mir sagen, wir die Kommunikationsunterstützung z.B. beim telefonieren aussehen könnte?
Caroline Schupp: z.B. durch einen Mikrolink oder Schriftdolmetschen. Der/die Hörgeschädigte telefoniert selbstständig, die Assistenz sitzt ihm/ihr gegenüber und dolmetscht. Der/die Hörgeschädigte kann dann selbst antworten und schnell reagieren.

Ines: Warum soll der Kommunikationsassistent geschlechtsspezifisch ausgelegt werden?
Caroline Schupp: Die Weiterbildung steht beiden Geschlechtern offen, denn Frauen UND Männer können Hörschädigungen haben. Ich glaube, dass die Präferenz dann eher von der Persönlichkeit und Sympathie abhängt und wenn die "Chemie stimmt".

Violetta: Ich habe schon oft Schriftdolmetscher eingesetzt für Besprechungen. Was wäre mit einer Arbeitsassistenz denn anders?
Caroline Schupp: Sie dolmetscht nicht nur schriftlich, sondern auch Oral, z.B. bei Telefonieren oder bei Ortsbegehungen. Außerdem organisiert sie die erforderliche Technik, z.B. den PC, Beamer, etc.

Moderator: Vielen Dank an Caroline Schupp für die Beantwortung der Fragen, Dank auch an die Frager für die rege und lebhafte Teilnahme. Das Chat-Protokoll steht in den nächsten Tagen an dieser Stelle zur Verfügung. Ich wünsche allen noch einen schönen Abend. Der Chat wird jetzt geschlossen.

Caroline Schupp: Vielen Dank für das Interesse, die lebhafte Diskussion und die engagierten Fragen. Es hat viel Spaß gemacht! Weitere Informationen finden Sie auf den Homepages des DSB und des Lehrstuhls für Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung an der Ruhr-Universität Bochum. Und vielleicht treffen wir uns auf www.inikab.de oder bei einer Veranstaltung wieder...

 


 

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