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MikeBR | 07.12.2006, 12:34 |

Kollege setzt seine Hörgeräte nicht ein und macht Kollegen zu Bumännern

Hallo allerseits,

ich habe einen Kollegen im Büro, welcher schon seit Jahren schwerhörig ist, dies weiß und auch Hörgeräte besitzt (die liegen
gut verpackt in der Schreibtischschublade).
Oft nervt es, daß er sich angesprochen fühlt, weil jemand telefoniert oder ein Kollege mit dem anderen spricht. Die meisten Kollegen sprechen in seiner Gegenwart schon wesentlich lauter. Trotzdem versteht er oft nicht richtig so daß man wiederholen muß (...nerv!).
Auch hört er seine eigenen Geräusche nicht (er klappert den ganzen Tag mit den Schuhen unter dem Schreibtisch).
Nun macht er unter anderem mich zum Bumann weil er meint, man müsse auf ihn mehr Rücksicht nehmen und sich entsprechend benehmen (weil man schon mal das Gesicht verzieht wenn er mal wieder nichts versteht und man wiederholen muß). Ich habe ihm heute gesagt, das ich die Nase voll habe, immer fast zu schreien, nur weil er seine Hörgeräte nicht trägt. Nun ist er beleidigt.

Wie kann man sich in so einer Situation verhalten?
Wie kann man diesen Konflikt für alle lösen?

Hat jemand gute Tipps???

Gruß Michael

Rudolf | 11.12.2006, 10:22 | Kommentar

Re: Kollege setzt seine Hörgeräte nicht ein und macht Kollegen zu Bumännern

Lieber Michael!
Als Vertrauensmann für Schwerbehinderte kenne ich ein solches Problem nur zu gut. Da ich auch Selbstbetroffener bin, denke ich, hier helfen zu können. Das Beste aus meiner Sicht wäre, wenn Sie sich an einen Integrationsfachdienst für Hörbehinderte mit der Bitte um Unterstützung wenden (In jedem Bundesland gibt es ein Integrationsamt bzw. Amt für Soziales und Versorgung, erkundigen Sie sich bitte dort.). Unabhängig davon können Sie auch versuchen, sich Hilfe bei einem DSB-Ortsverein zu holen, fast überall gibt es dort sehr gute Beratungen.
Wenden Sie sich, bei Vorhandensein, an die Vertrauensperson für Schwerbehinderte oder den Betriebs- bzw. Personalrat. Eine gemeinsame Aussprache, in der ALLE Beteiligten im Büro in einer kollegialen Atmosphäre die Probleme besprechen, die sie miteinander und speziell mit der Hörbehinderung haben und was stört einander bei einer guten Zusammenarbeit, wäre auch hilfreich, das aber nicht ohne den zuständigen Vorgesetzten. Ihrem Kollegen muss klar sein, nicht nur er braucht Rücksichtnahme, sondern auch seine Kollegen! Es ist immer ein wechselseitiges Geben und Nehmen.
In jedem Fall, holen Sie sich fachkundige, kompetente Hilfe, das ist besser, als jeder gut gemeinte Ratschlag unter Kollegen, weil doch immer das spezielle Wissen fehlt. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.
Rudolf

Klaus-Dieter | 13.12.2006, 14:09 | Kommentar

Re: Kollege setzt seine Hörgeräte nicht ein und macht Kollegen zu Bumännern

Hallo Michael,

ich kenne das Problem sehr gut, da es mir früher auch so ergangen ist und ich inzwischen einiges gelernt habe.
Die Sichtweisen sind auf beiden Seiten sicherlich verkehrt. Nichts, aber auch gar nichts ist jemandem das Lautersprechen geholfen. Das Hören mit einem Hörgerät ist nicht gleich das Verstehen. Es ist nur die Spitze des Eisberges dorthin. Ob man als Schwerhöriger etwas verstanden hat hängt von weiteren Faktoren ab
wie Mundabsehen, Mimik und Gestik, Körpersprache, Logik und Denken. Das dauert alles ein bischen länger als beim Normalhörenden. Man muss sich das so vorstellen: Man hat den ersten Satz gehört, irgendwas. Dann überlegt er sich, habe ich das richtig verstanden, was hat er gemeint. Wenn man dann soweit ist, hat der flüssige Redner aber schon 2, 3 oder 4 Sätze weitergesprochen. Das heißt, der Schwerhörige hat den 2., 3., 4. Satz gar nicht erst wahrgenommen. Er verliert den Faden des Gesprächs und das führt sehr schnell zur Kapitulation. Es dauert nicht lange, da setzt der Schwerhörige gar nicht erst die Hörgeräte auf. Das muss man erst mal wissen, um auf das Verhalten eingehen zu können. Technik alleine machts nicht.
Ein weiterer Faktor wird das Arbeitsumfeld sein. Da sollte man wirklich Rat von Dritten einholen. Hier nur einiges, was für den Schwerhörigen nicht optimal ist.
Großraumbüro? Viele Telefonate? Kundenverkehr? Brummende Computer? Finsternis und Schatten? Laute Maschinen oder Aufzüge in der Nähe? Und anderes.
Man sollte wissen, Lärm, Trubel, viele Menschen - das macht einen Schwerhörigen krank.
Bei allem gehe ich davon aus, dass die Hörgeräte seitens des Hörgeräteakustikers richtig eingestellt sind.
Bei Interesse kannst Du weiter im Internet recherchieren: www.taubenschlag.de, www.hoerbehindertenselbsthilfe.de, www.schwerhoerigen-netz.de/MAIN/ratg.asp?inhalt=MEDIZIN/auswirkung ,
www.schwerhoerigen-netz.de/Ratgeber/INFO/ schwerhoerigkeit/broschuere... und andere.
Die Schwerhörigkeit ist eben eine missverstandene Behinderung.

Gruß Klaus-Dieter

Gekra | 25.12.2006, 00:51 | Kommentar

Re: Kollege setzt seine Hörgeräte nicht ein und macht Kollegen zu Bumännern

Hallo Michael,

als Betroffener kenne ich ebenfalls die Problematik der typischen Büroakustik sehr gut. Ich musste allerdings sher intensiv suchen, bis ich endlich einen Akustiker gefunden hatte, der Verständniss für meine Situation aufbrachte und verstand, dass man als Angestellter sich nicht einfach zurückziehen oder die Tür schließen kann. Ich habe daher den Spieß umgedreht und mich für ein IDO-System mit Fernbedienung entschieden und ein "Tür-zu"-Programm einstellen lassen. Die Kollegen sprechen mich nun an, was ich meist verstehe, warten, bis ich nach einem Tastendruck "online" bin und besprechen mit mir das jeweilige Anliegen. Wichtig ist allerdings, dass der Akustiker nicht einfach nur "Ah ja, verstehe" sagt, sondern die Situation gezielt analysiert, auch mit Betrachtung des Bürogrundrissess und entsprechende Verweise auf Resonanzhöhepunkte etc. gibt. Die "gute" Einstellung eines HGs hängt wirklich von der Analyse der häufigsten Hörsituation ab. Ich schätze, dass Ihr Kollege, so wie ich anfangs, an einen der typischen "Versorger" geraten ist, aber noch nicht "seinen Berater" gefunden hat (ich meine "Berater", nicht "Unterhalter" !). Ich würde Ihrem Kollegen empfehlen, mal eine richtige Akustiker-Konsolidierung vorzunehmen und Geräte zu wählen, die ihm eine schnelle Regulierung erlauben (von den häufig beworbenen Selbstregulierungen von HGs halte ich übrigens bisher garnichts, da nach einem Test ende letzten Jahres von mir festgestellt werden musste, dass sämtliche Entwicklicker typsche Beprechungssituationen in hallenden Räumen einfach nicht als wichtig anzusehen scheinen und nur typische "Rentnersituationen" berücksichtigen). Wie Sie das nun Ihrem Kollegen beibringen, muss Ihrem diplomatischen Geschick überlassen bleiben. Aber meiner Ansicht nach ist er, trotz beschriebener Eskalation, dass eigentliche "arme Schwein".

Viele Grüße

Gerrit


 

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