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Neurinom in der Hörschnecke
Hallo,seit 6 Jahren leide ich unter Tinnitus und stetigen Hörverlust rechts. Vor zwei Jahren hat man ein "intracochleäre Raumforderung" (Tumor in der Hörschnecke) festgestellt. Da ich rechts schon fast taub bin, der Tinnitus sich weiter verstärkt und das Neurinom gegenüber dem letzten MRT größer wurde, hat man mir die Operation empfohlen. Der Eingriff hat aber die vollständige Taubheit zur Folge. Gleichzeitig mit der OP soll dann ein knochenverankertes Hörgerät (BAHA) installiert werden, um die Schallwellen von rechts über den Schädelknochen zum gesunden Ohr zu leiten.
Ich bin mir nun nicht sicher und benötige noch weiteren Rat. Gibt es auch ein OP-Verfahren, welches die Taubheit ausschließen könnte? Was ist mit dem Tinnitus-Geräusch?
Für Antworten wäre ich sehr dankbar.

zeh | 29.03.2006, 16:31 |
Re: Neurinom in der Hörschnecke
Sehr geehrte/r Patient/in,Sie berichten, dass bei Ihnen ein Neurinom in der Hörschnecke festgestellt wurde, das jetzt entfernt werden soll. Zu erwarten ist danach eine Taubheit auf diesem Ohr, gleichzeitig soll ein BAHA-Hörsystem auf der anderen Seite eingesetzt werden.
Sie fragen nun, ob es auch andere OP-Verfahren gibt, welche eine Taubheit verhindern können und fragten auch, was mit dem Tinnitus wird.
Ein Neurinom in der Hörschnecke ist sehr ungewöhnlich, mir ist weder von meinen eigenen Patienten noch aus der Literatur ein solcher Fall bekannt. Sind Sie sicher, dass es sich nicht um ein Neurinom am Hörnerv (Akustikusneurionom) handelt?
Aber unabhängig davon, ob das Neurinom wirklich in der Hörschnecke selbst oder am Hörnerv wächst, muss es auf jeden Fall entfernt werden, da sonst wichtige Gehirnbereiche geschädigt werden könnten, wenn der Tumor weiter wächst. Die Ertaubung des betroffenen Ohres ist auf jeden Fall nicht zu vermeiden, wenn das Neurinom in der Hörschnecke selbst wächst. Sollte das Neurinom doch am Hörnerv liegen, könnte man vielleicht versuchen, den Tumor herauszuoperieren und den Nerv wenigstens teilweise zu erhalten; ob das möglich ist, wird man erst während der Operation beurteilen können. Sie schreiben jedoch, dass Sie schon jetzt durch den Tumor fast taub sind, deshalb glaube ich nicht, dass das Gehör nach der Operation erhalten oder vielleicht sogar verbessert werden kann. Denn das Gehör wird nicht nur durch die Operation, sondern auch durch den Tumor selbst (wenn man ihn nicht entfernt) immer weiter geschädigt.
Die Implantation eines BAHA-Hörsystems ist eine Möglichkeit, Schall von der betroffenen Seite auf die gesunde Seite überzuleiten. Eine andere Möglichkeit wäre ein konventionelles CROS-System, wo ein Mikrofon auf der tauben Seite und ein Lautsprecher auf der gesunden Seite mit einem kleinen Kabel am Hinterkopf verbunden werden. Beide Methoden sind etwa gleichwertig, Sie müssen sich da nicht jetzt noch entscheiden, sondern können zuerst einmal die Tumor-Operation durchführen lassen.
Die Ohrgeräusche auf dem rechten Ohr werden voraussichtlich nach der Operation unverändert sein. Nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen handelt es sich bei Tinnitus um eine Fehlverarbeitung im Hörsystem aufgrund abgeschwächter oder fehlender Signale aus dem Ohr, ähnlich wie beim Phantomschmerz. Da das Ohr jetzt schon schwerhörig ist und nach der Operation das Gehör nicht verbessert sein wird, ist auch nicht zu erwarten, dass der Tinnitus verschwindet. Im Laufe der Jahre kommt es aber erfahrungsgemäß zu einem zunehmenden Gewöhnungseffekt, so dass der Tinnitus dann meist weniger wird.
Ich hoffe, Ihnen etwas weitergeholfen zu haben und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Dr. med. Roland Zeh
Chefarzt
Baumrainklinik Bad Berleburg
Fachklinik für Hörstörungen,
Tinnitus und Schwindel